Lost Places in Deutschland

Dark Tourism in Deutschland

Unheimliche Orte, verlassene Krankenhäuser, Kirchenruinen

Lost Places in Deutschland

Spätestens seit der Netflix Serie "Dark Tourist" ist der Hype um bizarre und unheimliche Ausflugsziele nicht mehr zu bremsen. In der Serie führt Moderator David Farrier die Zuschauer durch verlassene Regionen, brachliegende Gebäude oder atomar verseuchte Städte. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Pseudoanglizismus "Lost Place"? Alte Krankenhäuser, brachliegende Kirchen, ehemalige Fabrikgiganten, geräumte Schwimmhallen, verkommene Hotels und Villen - jedes verlassene Gebäude hat eine Geschichte. Warum ist es zerfallen? Wer lebte hier? Welche Sagen ranken sich um die ehemaligen Bewohner?

Eines steht fest: Egal ob zerrüttet, vandalisiert oder von der Natur zurückerobert: Lost Places - im Englischen auch „Abandoned Places“ genannt - üben auf die treuen Anhänger der "Urbex-Szene" (Urbex = Urban Explorer) einen unwahrscheinlich hohen Reiz aus. Es gilt als ungeschriebenes Urbexer-Gesetz, niemals den genauen Standort einer neu entdeckten Ruine zu verraten oder bei einem Besuch von Lost Places keine Gegenstände zu entwenden. Dies soll Lost Places vor Vandalismus und einem beschleunigten, unnatürlichen Verfall schützen. Allerdings sind nicht alle Lost Places unbegehbar, auch in Deutschland nicht. Wenn Sie also im Rahmen Ihres nächstes Kurzurlaubs den Drang nach einer Portion Nervenkitzel verspüren, sind Sie bei KMW genau richtig. Wir zeigen Ihnen einige der spannendsten Lost Places, die Deutschland zu bieten hat.

Karte: Lost Places in Deutschland

Schlösser

Schlösser und Burgen waren einst wichtige Regierungszentren und repräsentative Orte. Prunk, Glanz und Glamour zeichnete diese Gebäude aus. Sie gelten als Symbol von Macht, Reichtum und dem Herrschaftsanspruch ihrer adligen Anwohner. Vom frühen Mittelalter bis in die Moderne waren Sie zudem Austragungsorte wichtiger Ereignisse politischer Entscheidungen, familiärer Intrigen, aber auch hemmungsloser Festivitäten.

So können Sie bei einem Kurzurlaub auf Rügen das Schloss Dwasieden aufsuchen, oder besser gesagt die Ruine, die verblieben ist. Wer hätte gedacht, dass sich beim Ort Sassnitz, unweit des Nationalparks Jasmund und des Königstuhls, ein Lost Place befindet? Auch an den südlichen Ausläufern des Harzes befindet sich ein schaurig schönes verlassenes Schloss. Das Jagdschloss Rathsfeld - am Thüringer Kyffhäuser gelegen - wurde 1698 erbaut und bot über Jahrhunderte etlichen Staatsgästen des Hauses Schwarzburg ein Domizil. Der prominenteste Gast des Schlosses war ohne Zweifel Kaiser Wilhelm II., der zur Einweihung des nach ihm benannten Denkmals auf dem Kyffhäuser im Jahr 1898 hier abstieg. Heutzutage bewundern Sie die verfallenen Kirchenschiffe sowie Säle und prunkvollen Kammern des ehemaligen Jagdschlosses. Ein weiterer Tipp für Ihren Kurzurlaub im Harz: Das Gutsschloss Helmsdorf. Das klassizistische Schloss war lange im Besitz des Adelsgeschlechts der Kerssenbrocks, diente bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Altenheim, bis es schließlich seine Pforten dauerhaft schloss.

Bahnhöfe und Zugfriedhöfe

Kaum eine Art von Gebäude ist historisch gesehen so wichtig wie der Bahnhof. Menschen kommen, Menschen gehen, sie trennen sich, schließen sich in die Arme, sind in Hektik, warten auf den nächsten Zug. Bahnhöfe sind Orte von hoher Dynamik - eigentlich. Doch was ist passiert, wenn ein Bahnhof nicht mehr gebraucht wird? Diese Frage stellen sich viele Urbexer auf der Suche nach Geisterbahnhöfen und Zugfriedhöfen, von denen es in Deutschland eine ganze Menge gibt. Gerade in Großstädten, die schnell und unorganisch wuchsen, sind solche Bahnhöfe vermehrt anzutreffen.

So etwa der Geisterbahnhof im Berliner Stadtteil Siemensstadt. 1980 fuhr hier die letzte S-Bahn, da die Haltestelle aufgrund eines Streiks stillgelegt wurde. Kurioserweise gehörte der S-Bahnhof Siemensstadt ab den Goldenen Zwanzigern zu den frequentiertesten der ganzen Stadt, zumal täglich nahezu 20.000 Siemens-Mitarbeiter die S-Bahn nutzen, um ihre Arbeitsstelle im benachbarten Bezirk Spandau zu erreichen. Dieser Lost Place ist im Rahmen eines Kurzurlaubs in Berlin nicht legal begehbar, bietet aber tolle Fotomotive urbanen Wandels.

Auch bei einem Kurzurlaub in Hamburg läutet der Lost Place Alarm: Ein U-Bahn Haltestieg der Linie U2 am Hamburger Hauptbahnhof etwa, wurde nie in Betrieb genommen und befindet sich unmittelbar neben der Haltestelle, die tagtäglich Tausende Hamburger:Innen von A nach B befördert. Heute wird die Nordröhre der Haltestelle Hauptbahnhof-Nord u.a. für Kunstinstallationen genutzt und kann somit zu ausgewählten Daten besucht werden. Bei einem Kurzurlaub in NRW erhalten Sie ebenfalls Einblick in alte und vergessene Güterbahnhöfe aus der aktiven Zeit des Industriebooms im Ruhrgebiet. So gilt der ehemalige Hauptbahnhof von Solingen als weiteres beliebtes Ziel in der Urban Explorer Community.

Industrielle Ruinen

Ruinen aus dem Bergbau oder verlassene Fabriken machen allein aufgrund ihrer Größe einen Eindruck auf Besucher und Urbex-Enthusiasten. Solche Orte bieten die perfekte Kulisse zum Fotografieren und sind gleichzeitig schöne Fotomotive. Vermehrt finden sich solche industriellen Giganten im Ruhrgebiet und in einigen Teilen Bayerns sowie in Großstädten mit industrieller Vergangenheit.

Ein Beispiel: Die Glasfabrik Windischeschenbach in der Nähe der mittelfränkischen Metropole Nürnberg. Als die Porzellannachfrage zu Gunsten von billigen Imitationen aus Asien und Osteuropa drastisch sank, verloren Glas- und Porzellanfabriken ihre Existenzgrundlage und sahen sich gezwungen, zu schließen. Sie sehen: Kurzurlaub in Franken bedeutet eben nicht nur Wellness, Wandern und Wein. Hier können Sie auch - ganz legal - eine Führung durch eines der beliebtesten Lost Places in Deutschland unternehmen. Die Rede ist von der Porzellan- und Lebkuchenfabrik im oberfränkischen Arzberg. Im Panorama des malerischen Fichtelgebirges eingebettet, finden sich die Überreste der einst florierenden Manufaktur und Produktionsstätte, inklusive alter Materialien, hochwertigen Porzellanvasen, Teller und etlichen Gerätschaften, die den Mitarbeitern bis zur Schließung Mitte der 1980er Jahre dienten.

Weiterhin zählt die Kokerei Hansa in Dortmund zu den berühmteren Lost Places in Deutschland. Dieses, zugegeben große, Überbleibsel der Dortmunder Schwerindustrie ähnelt eher einem technischen Museum als einem klassischen Lost Place. Die rote Backsteinfassade und ihre tonnenschweren Industrieanlagen, rostigen Dampfloks und überdimensionalen Förderrohre machen den Besuch der Kokerei Hansa zu einem unverwechselbaren Erlebnis.

Krankenhäuser, Kliniken und Heilstätten

Im Laufe der letzten Jahrhunderte gab es viele Krankenhäuser und psychiatrische Einrichtungen in Deutschland, die aus verschiedensten Gründen ihre Pforten für immer schlossen. Zugegeben, Kliniken und Heilstätten versprühen auch in regem Betrieb nicht die angenehmste Atmosphäre, doch wenn solche Gebäude über Jahrzehnte leer stehen und verwahrlosen, findet das Unbehagen vor Ort einen ungeahnten Höhepunkt. Auch wenn einige der verlassenen Krankenhäuser in Deutschland einfach aus Mangel an Geld und Personal schließen mussten, blicken andere auf eine weitaus unheimlichere Geschichte zurück - und genau das macht ihren Reiz aus. Kein Wunder, dass einige der beliebtesten Lost Places in Deutschland medizinischen Ursprungs sind.

Da wäre zum einen das Sanatorium Hohentanneck im Harz zu nennen, welches Anfang des 20. Jahrhunderts als Lungenklinik erbaut wurde. Seit über 60 Jahren hat das Sanatorium nun keine Verwendungen mehr. Das macht sich am Innenraum bemerkbar. Bäume und Sträucher holten sich große Teile der Fassade zurück. Weiterhin finden sich zwei Kliniken, die Sie bei Ihrem Kurzurlaub in Brandenburg ansteuern können. Erstens: Die Grabow Heilstätten am benachbarten Grabowsee. Dieses imposante mehrflügelige Landhaus diente als Lungenheilstätte und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sogar als russisches Lazarett. Heute ist das Gelände begehbar und wird gerne als Fotokulisse oder Filmset genutzt.

Die unangefochtene Nummer 1 unter den verlassenen Krankenhäusern sind die Beelitz Heilstätten, unweit von Berlin. Eine Führung durch den Park und das Gelände der Beelitzer Heilstätten sowie die gespenstisch kalten und verrottenden Gebäude ist ebenso aufreibend wie interessant. Vielleicht lohnt sich ein Ausflug zu den Heilstätten in Beelitz als Teil Ihres Kurzurlaubs in Potsdam?

Villen und Hotels

Während Kliniken und Psychiatrien ohnehin oft Unbehagen versprühen, sind Villen und Hotels Orte, an denen man zusammenkam, feierte, lebte. Umso erschreckender ist der Gedanke, dass deren Besitzer zu einem bestimmten Zeitpunkt - freiwillig oder unfreiwillig - ihre prunkvollen Domizile verließen.

So etwa ein Fabrikant aus Wuppertal, der seine - nun berühmte - gelbe Villa erbauen ließ, nur um 1966 zugunsten eines Autobahnausbaus enteignet zu werden. Die verlassene gelbe Villa war einst der Rückzugsort einer Familie und ist heute nicht mehr als eine Ruine mit gespenstischem Charme. Auch Hotels blieben vor der Verwahrlosung nicht bewahrt. Das berühmteste Beispiel liefert das Schlosshotel Waldlust in Freudenstadt im Schwarzwald. Die Hotelbesitzerin und gute Seele des Hotels - Adele B. - soll hier 1949 unter Fremdeinwirkung zu Tode gekommen sein. Obwohl das Schlosshotel Waldlust in den folgenden Jahrzehnten seinen Betrieb wieder aufnahm, berichteten viele der Mitarbeiter von übernatürlichen Vorkommnissen, von deren Auswirkungen sich das Haus nicht mehr erholen würde. Wer sich beim Kurzurlaub im Schwarzwald hier hin traut, verdient unseren vollsten Respekt.

Des Weiteren sorgt die Villa Schöning im ostwestfälischen Vlotho für Aufsehen. Das "House of Pain" war einst das Privathaus eines Industriellen, reich verziert mit farbigen Bauelementen der Gründerzeit. Heute tummeln sich hier Graffiti Künstler, Urbex-Jünger und Hobby-Fotografen.

Urbane Infrastruktur

Wie wir bereits am Beispiel von Geisterbahnhöfen in Berlin und Hamburg sehen konnten, wimmelt es in Großstädten nur so von vergessenen Orten. Da die Liste der innerstädtischen Lost Places wahnsinnig lang ist, beschränken wir uns exemplarisch auf drei Beispiele.

Mitten in Berlin, genauer gesagt im Plänterwald, befindet sich ein Freizeitpark, der noch Anfang des Milleniums wahnsinnig gut besucht war. Der Spreepark gleicht heute einem Friedhof für Fahrgeschäfte und Dinosaurierskulpturen (ungelogen). Die Stadt Berlin plant jedoch, aus dem Spreepark einen Kunst- und Erholungspark zu formen. Ebenfalls in Berlin steht die ehemalige amerikanische Abhöranlage auf dem Teufelsberg. Dieser Ort ist vergleichsweise leichtgängig, zumal Sie vom Teufelsberg aus einen hervorragenden Panoramaausblick auf ganz Berlin haben.

Weiterhin zählen Schwimmbäder zu denjenigen Orten, die verlassen und verwahrlost besonders trist wirken. Das abgebrannte Spaßbad Blub im Berliner Stadtteil Neukölln ist nur ein Beispiel. Oder das ehemals prächtige Jugendstil - Bad in Krefeld. Am eindrucksvollsten ist in unseren Augen das Alte Stadtbad Leipzig, in dem erst 2004 die letzte künstlich erzeugte Welle abklang. Das Innenleben des 1916 eröffneten Schwimmbades gleicht mit seinen goldenen Wänden und der aufwendigen Verzierung eher einem orientalischen Hammam - auch heute noch.

Gefängnisse

Kommen wir zu Gefängnissen, denen die Gefangenen ausgingen oder deren Betreiber keinen Einfluss mehr auf selbige nehmen konnten. Viele Vollzugsanstalten waren nämlich auch eine Zeit- und Begleiterscheinung, die über einige Jahre hinweg das machtausübende Regime stärkten. So etwa das alte DDR Gefängnis in Berlin - Hohenschönhausen, dessen Standort schon damals unter Verschluss gehalten wurde, um Feinde des Kommunismus möglichst effektiv auszuschalten. Denjenigen, die schonmal den Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" gesehen haben, müssen wir bestimmt nicht erklären, wie grausam die Foltermethoden der Staatssicherheit waren, die hinter den stählernen Mauern dieses Gefängnisses an den Inhaftierten ausgeübt wurden. Besuchen Sie noch heute das Gelände der Gedenkstätte Hohenschönhausen und erfahren Sie bei einer Tour aus erster Hand, was sich hier noch bis vor knapp 30 Jahren abspielte.

Das nächste verlassene, aber mit Sicherheit nicht vergessene Gefängnis befindet sich ebenfalls in Berlin, und zwar im traditionsreichen Stadtviertel Köpenick. Dieses alte Gefängnis war im Mai 1933 Schauplatz der Köpenicker Blutwoche. Die SA unternahm dabei eine Massenverhaftung von Juden, die vor Ort gefoltert und getötet wurden. Heute dient das Gelände unter anderem als Gedenkstätte an die Opfer dieser scheußlichen Tat. Unweit von Berlin, nämlich in der Lausitz in Brandenburg, steht zudem das Gefängnis an der Neiße. Das Gubener Gefängnis, wie es auch genannt wird, bietet heute vereinzelt Führungen an, bei denen sogar ein Zeitzeuge anwesend ist, welcher in den 1960er Jahren hier inhaftiert war.

Kirchen und Klöster

In unserer letzten Rubrik widmen wir uns zerfallene Kirchen und Ruinen von Klöstern, deren Gemeinden längst verschwunden sind und in denen seit Jahren keine Gottesdienste mehr stattfinden. Der große monumentale Innenraum einer Kirche wirkt in verlassenem Zustand noch ehrfurchterregender als ohnehin schon. Allerdings sind viele der religiösen Lost Places in Deutschland so verkommen, dass sie kaum als zusammenhängendes Areal identifizierbar sind.

Die Kirchenruine im sächsischen Wachau ist ein gutes Beispiel hierfür. Die Kirche wurde in der weltbekannten Völkerschlacht von 1813 zerstört, Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut, nur um im Zweiten Weltkrieg einem amerikanischen Bombenangriff zum Opfer zu fallen, bei dem das gesamte Dach der Kirche vernichtet wurde. Für Lost Places Fans lohnt sich daher auch ein Kurzurlaub in Leipzig.

Für unsere letzten beiden vergessenen Gotteshäuser geht es mal wieder in den Harz. Zum einen finden Sie hier die Ruine der Steinkirche Scharzfeld. Diese Kirche ist streng genommen kein Gotteshaus, sondern eine Höhle, die bereits seit dem 9. Jahrhundert der Huldigung von Göttern diente. Zum anderen lohnt sich auch der Besuch der Stabkirche Stiege. Sie wurde nach skandinavischem Vorbild erbaut und von einem Mann als Dank gestiftet, der auf dem Areal der Stabkirche, der Lungenheilanstalt "Albrechtshaus", von Tuberkulose geheilt werden konnte.

Häufig gestellte Fragen zu Lost Places in Deutschland

  • Sind Lost Places legal?

    Selbstverständlich kommt bei der Beschäftigung mit vergessenen Orten irgendwann die Frage auf: Ist das Betreten von Lost Places verboten? Darauf müssen wir zunächst eine klare Antwort finden: ja. Grundsätzlich ist das Betreten von umzäunten Lost Places verboten, da es sich um Hausfriedensbruch handelt. Informieren Sie sich jedoch im Vorfeld darüber, welche verlassenen Orte, Gelände und Areale einen Besuch ausdrücklich erlauben bzw. wo spezifische Führungen angeboten werden. Urban Explorer leben sowohl aus juristischer als auch aus praktischer Sicht gefährlich.

  • Welche Lost Places in Deutschland kann ich legal betreten?

    Zu den legalen verlassenen Orten zählen der Spreepark, die Beelitzer Heilstätten, das Köpenicker Gefängnis, das Stadtbad Leipzig, das Grandhotel Waldlust oder die Heilstätten am Grabowsee.

  • Welche sind die beliebtesten Lost Places in Deutschland?

    Zu den beliebtesten verlassenen Orten in Deutschland gehören die Beelitzer Heilstätten, das Schlosshotel Waldlust, Haus Fühlingen in Köln, Schloss Dwasieden auf Rügen, die Kokerei Hansa, der Spreepark und der Teufelsberg in Berlin, die Porzellanfabrik in Arzberg und die Gedenkstätte Hohenschönhausen.


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