Lost Places in NRW

Dark Tourism in NRW

Die schaurigsten Lost Places in Nordrhein-Westfalen

Lost Places in NRW

In den vergangenen Jahren hat sich der Trend herausgebildet, alte und verfallende Gebäude zu besuchen, zu fotografieren und ihrer Geschichte eine neue Art der Wertschätzung zuteil werden zu lassen. Der Urbex-Trend (Urbex = Urban Exploration) ist jedoch nicht immer ganz legal, zumal viele Lost Places in Deutschland einsturzgefährdet sind und deren Betreten strengstens verboten ist. Doch obwohl Sensationslust oft in Konflikt mit dem Gesetz oder regionalen Vorschriften steht, gibt es eine Vielzahl an verlassenen Orten, die Sie im Rahmen einer geführten Tour oder auch auf eigene Faust erkunden können. Vergewissern Sie sich vor Ihrem Besuch lediglich, ob der gewünschte Lost Place frei begehbar ist und welche Sicherheitsvorkehrungen notwenig sind. Eine erste Hilfe bietet dieser Artikel, in dem wir Ihnen die wichtigsten Tipps und Regeln zum Besuch dieser besonderen Art von Attraktion liefern.

Nordrhein-Westfalen stellt für viele Anhänger der Urbexer Szene eine wahre Goldgrube dar. Zum einen handelt es sich bei NRW um eine historisch belebte und vielbevölkerte Region, deren Bauten und Einrichtungen so vielfältig sind wie die Bewohner selbst. Zum anderen hinterließ der Abbau der über Jahrhunderte blühenden Stahl- und Kohleindustrie im Ruhrgebiet etliche industrielle Ruinen, die heutzutage als ebenso gespenstisch wie eindrucksvoll gesehen werden. Machen Sie sich bereit, denn wir nehmen Sie mit auf eine Reise an die spannendsten Lost Places, die NRW zu bieten hat.

Karte: Lost Places in NRW

1. Villa Oppenheim

Es geht direkt los mit einem Schwergewicht. Die Villa Oppenheim - einst ein Herrenhaus - liegt am äußerst beliebten Fühlinger See am Stadtrand Kölns. Um die Villa ranken sich viele Legenden. So heißt es etwa, dass sich alle früheren Hausherren im zweiten Stock des Gebäudes das Leben nahmen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden hier außerdem Zwangsarbeiter festgehalten. Nach dem Krieg sicherte sich ausgerechnet ein ehemaliger NS-Richter das Wohnrecht an der Villa Oppenheim, bis auch dieser sich 1962 im zweiten Stock der Villa das Leben nahm. Seitdem unterliegt das Haus der Macht der Elemente und gilt als einer der bekanntesten Lost Places in NRW. Gehen Sie im Rahmen Ihres Kurzurlaubs in Köln der Spur des Haus Fühlingen nach.

2. Villa Amalia

Auf unserer Reise entlang der beliebtesten Lost Places in NRW geht es von einer Villa direkt in die nächste. Die Villa Amalia im Briller Viertel in Wuppertal wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Gründerzeit und Neorenaissance erbaut und diente, anders als viele andere verlassene Orte, lange Jahre verschiedenen Zwecken. Aus diesem Grund ist das sogenannte "Briller Schlösschen" mit all seinem Innendekor sehr gut erhalten. Dazu gehören prunkvolle Kronleuchter oder ein altes Klavier der Marke Woodstock. Im Jahr 2017 fanden hier außerdem Dreharbeiten zur Serie "Babylon Berlin" statt. Das Gelände der denkmalgeschützten Villa umfasst stolze 9000 Quadratmeter und ist unter anderem mit einem pompösen Springbrunnen ausgestattet.

3. Geisterstadt Immerath

Der ehemalige Braunkohle-Ort Immerath zählt zu den außergewöhnlichsten Lost Places in NRW. Die Bewohner von Immerath, zwischen Grevenbroich und Erkelenz gelegen, wurden seit 2006 systematisch in die neu geschaffene Stadt Neu-Immerath, am Stadtrand von Erkelenz, umgesiedelt. Der endgültige Abbau der Stadt erfolgte von 2013 bis Mitte 2018, wobei das Abtragen der Immerather Kirche das Ende bedeutete. Unter diesem Link erhalten Sie einen Einblick in die Veränderung der Kleinstadt, die mittlerweile nicht mehr auf Landkarten zu finden ist. Falls Sie bei Ihrem Kurzurlaub in NRW - in echter Urbexer Manier - den Drang verspüren, die Reste Immeraths zu begutachten, können Sie dies selbstverständlich tun.

4. Alter Solinger Bahnhof

Ein weiterer Ort in NRW, der nicht mehr genutzt wird, ist der alte Bahnhof von Solingen. 1890 öffneten die Pforten des Bahnhofs, der über mehr als 120 Jahre Fahrgäste empfing. Seit seiner Stilllegung im Jahr 2006 ist der Bahnhof sich selbst überlassen und gilt als beliebter Spot für Lost Place Enthusiasten, aber auch Fotografen und - zugegeben - auch Sprayercrews. Ferner finden Sie heute um den ehemaligen Bahnhof einen kleinen Park sowie ein allseits beliebtes Café.

5. Stadtbad Krefeld

Verlassene Schwimmbäder üben einen besonderen Reiz auf Urbexer aus, da die Zweckentfremdung nach dem Verfall in einem starken Kontrast zu ihrer eigentlichen Nutzung steht. Das Krefelder Stadtbad bildet da keine Ausnahme. Das prächtige Badehaus der Stadt am Niederrhein eröffnete ebenfalls 1890 (s.o.) und diente den Krefeldern als Ruhestätte, Spaßbad und Erholungsmöglichkeit. Zum großen Bedauern vieler Besucher wurde die in Mosaiken gekleidete Schwimmhalle im Jahr 2000 endgültig geschlossen und dem Zahn der Zeit anvertraut. Wie wäre es, den Besuch dieses verlassenen Ortes mit dem eines Wellnesshotels in NRW zu verbinden?

6. Schlackebahn

Unser nächster Lost Place in NRW befindet sich unter einem ehemaligen Stahlwerk in Bochum. Im Ruhrgebiet baute man in den 1930er Jahren unterirdische Tunnel, um die Schlacke, ein Nebenprodukt bei der Stahlerzeugung, effektiv abzutransportieren. Viele Eingänge zur unterirdischen Schlackebahn wurden seit dem Verfall der Montanindustrie zugeschüttet - nur noch kleine "Fuchslöcher" deuten den Eingang in dieses unterirdische Bahnsystem an. Urbexer berichten, dass die Luft unter Tage warm und feucht sei. Dies liege nicht zuletzt daran, dass dort über Jahrzehnte glühend heiße Schlacke abgelagert wurde. Die Besucher dieses verlassenen Industrieortes berichten auch, welch intensiven und teilweise gruseligen Eindruck die sauerstoffarmen Röhrentunnel und verlassenen Arbeitsräume der Schlackebahn auf sie ausübten. Auch wenn der Besuch dieses Ortes keineswegs zu empfehlen ist, zählt dieser zu den spannendsten Lost Places in NRW.

7. Kokerei Hansa

Ging es eben noch um Lost Places unter Tage, betrachten wir nun eine industrielle Ruine über der Erde. Es handelt sich um die Kokerei Hansa in Dortmund, welche auf viele Listen der beliebtesten verlassenen Orte in ganz Deutschland zu finden ist. Ab 1928 begann man hier mit der Produktion von Koks und Kokereigas, zwei Rohstoffe die entscheidend für die Herstellung von Stahl und Roheisen sind. Das gesamte Gelände der Kokerei umfasste außerdem die namensgebende Zeche Hansa, deren Steinkohle über ein eigens installiertes Förderband (Hansaband) in die Kokerei transportiert wurde. Seit 1998 steht das gesamte Gelände unter Denkmalschutz und kann legal besichtigt werden.

8. Zeche Westerholt

Ein weiteres prominentes Beispiel industrieller Bauruinen im Ruhrpott stellt die Zeche Westerholt in Gelsenkirchen dar. Erst 2008 kam es hier zur Stilllegung der Kohleförderung - genau 106 Jahre nach der Eröffnung. Dies erklärt den überaus guten Zustand der Zeche, die nicht wenige als Freiluftmuseum der Montanindustrie im Ruhrgebiet verstehen. Die meisten Maschinen, Förderanlagen, Schächte und Arbeiterräume schaffen ein Bild davon, wie es in der Hochzeit der Schwerindustrie in NRW zuging. Sie können die Zeche ohne Probleme besichtigen, tolle Bilder aufnehmen und einen aufregenden Tagesausflug an diesem besonderen Ort verbringen.

9. Gefängnis Ulmer Höh

Die JVA Ulmer Höh befindet sich in Ratingen bei Düsseldorf und diente über 100 Jahre als Gefängnis für Männer. Der prominenteste Häftling an der Ulmer Höh war RAF-Mitglied Andreas Baader. Nachdem das Areal bis 2013 in aktiver Benutzung war, setzte ein Brand der Gefängniskapelle im Jahr 2016 dem Gebäude ein Ende. Im Jahr 2017 begann man mit dem Rückbau der ehemaligen JVA. Ironischerweise ist das einzige Gebäude das übrig blieb, die Kapelle selbst. Schauen Sie bei Ihrer Städtereise nach Düsseldorf auf dem Gelände diese Lost Places vorbei und werden Zeug:In, wie dieser verlassene Ort in das Stadtbild Ratingens eingebunden wurde.

10. Weidenpescher Sportpark

Zum Abschluss unserer Liste schauen wir in einem alten Fußballstadion in Köln vorbei, in dem Anfang des 20. Jahrhunderts sogar zwei Finalspiele um die deutsche Meisterschaft ausgetragen wurden (1905 und 1910). Zu dieser Zeit galt das Weidenpescher Stadion mit seiner Zuschauerkapazität von 16.000 als eines der größten und modernsten Fußballstadien der Welt. Die mittlerweile marode und zerfallene Tribüne des Stadions gilt außerdem als älteste noch erhaltene Fußballtribüne Deutschlands. Fun-Fact: Der Weidenpescher Sportpark diente als Kulisse für den Film "Das Wunder von Bern". Urbexer, die ein Faible für Fußball besitzen, sollten sich diesen Ort bei einer Städtereise nach Köln nicht entgehen lassen!

Was gilt es beim Besuch verlassener Orte zu beachten?

Beim Besuch verlassener Orte gibt es einige Spielregeln, die Sie vor und während einer Ihrer Touren beachten sollten.


Thema Unsere Empfehlung
Besuchsgenehmigung Falls das Gelände nicht ausdrücklich für Besucher zugelassen ist, brauchen Sie eine behördliche Genehmigung. Ein Betreten von Lost Places ohne Genehmigung könnte strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen (Landfriedensbruch §125 StGB).
Einsturzgefahr Lost Places sind aufgrund ihres Alters und des damit einhergehenden Verfalls stark einsturzgefährdete Orte. Wände, Treppen oder sogar Decken können ohne weiteres einbrechen und ernsthafte Verletzungen verursachen. Auch herabstürzende Gegenstände, etwa in alten Fabriken, sind eine ernst zu nehmende Gefahrenquelle. Überschreiten Sie daher bitte keine Absperrungen oder gesicherten Orte auf dem Gelände eines verlassenen Ortes.
Brandgefahr Wir bitten Sie ebenfalls, aktiv Brandgefahr zu vermeiden. Angefangen bei Zigarettenstummeln bis hin zum Zünden von Teelichtern oder Kerzen um das oft schwache Licht in Lost Places zu erhellen.
Vandalismus und Diebstahl Es gehört zum ungeschriebenen Urbexer-Kodex, einen besuchten Lost Place genau so zu hinterlassen wie man ihn vorgefunden hat. Das bedeutet: Sie sollten keinen Müll hinterlassen und auch keine Souvenirs mitnehmen, egal wie verlockend. Weiterhin herrscht an verlassenen Orten ein Vandalismus Problem, welches dem Kerngedanken, Lost Places mit Respekt zu behandeln und der Macht der Natur zu überlassen, klar entgegenwirkt. Daher gilt es auch, das Interieur verlassener Orte in feinster Weise zu beschädigen, beschmieren oder in jeglicher Art zu verändern.

Häufig gestellte Fragen zu Lost Places in NRW

  • Welche verlassenen Orte in NRW kann ich legal besuchen?

    Folgende verlassenen Orte in NRW sind legal betretbar: Die Kokerei Hansa, die Villa Amalia in Wuppertal, die Geisterstadt Immerath, der Güterbahnhof in Duisburg oder die Villa Oppenheim.

  • Was sind die beliebtesten verlassenen Orte im Ruhrgebiet?

    Die beliebtesten verlassenen Orte im Ruhrgebiet sind das Geisterhaus in Essen, die Schlackebahn in Bochum, die Trabrennbahn von Recklinghausen, die Zeche Westerholt oder die Kokerei Hansa in Dortmund.

  • Ist es gefährlich, Lost Places in NRW zu besuchen?

    Die einfache Antwort auf die Frage, ob der Besuch von verlassenen Orten gefährlich ist lautet: ja. Heißt das, dass Sie gar keine Lost Place in NRW besuchen dürfen oder sollen? Definitiv nein. Fakt ist: Der Besuch solcher Orte kann aufgrund verschiedener Gefahrenquellen äußerst gefährlich sein. Dazu gehören rechtliche Vorgaben (Stichwort Haus- und Landfriedensbruch), aber auch Brand- und Einsturzgefahr spielen eine große Rolle. Allerdings ist die Risikoeinschätzung von Ruine zu Ruine unterschiedlich. Informieren Sie sich vor Ihrer persönlichen Urbexer-Expedition genau, ob etwa am Lost Place Ihrer Wahl Touren von fachkundigem Personal angeboten werden. Andere verlassene Orte sind dagegen gesichert, restauriert oder denkmalgeschützt und somit für Besucher freigegeben. Wieder andere Orte sind derart marode, dass von behördlicher Seite streng von einem Besuch abgeraten wird. Wir halten Sie daher an, sich an die Vorgaben zu halten, die sich im Rahmen Ihrer Recherche ergeben.


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